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February 20th, 2009

05:21 pm
17:21 Uhr

Ich habe ausgeschlafen, war kurz einkaufen und bin nun mit dem Frühstück fertig. Meine Hände zittern vor Koffein weil ich es nicht übers Herz bringe eine auf den ganzen Tag ausgelegte heiße Kanne ausgesprochen starken Tees kalt werden zu lassen. In ein paar Stunden kann ich dann beginnen das Abendessen zuzubereiten. Zeit ist so eine unnütze Erfindung, schaffen wir sie ab.

05:57 pm
Nestbeschmutzer! Nestbeschmutzer!

Der Theatermacher Hubsi Kramar macht ein Theaterstück namens "Pension Fritzl", das in drei Tagen seine Uraufführung hat. Der Titel riecht nach Provokation im Kleid der Hochkultur. Und auf sowas ist die Krone und ihre Leserschaft traditionellerweise recht schlecht zu sprechen. Besonders wenn es von linkem Gesocks kommt. Es folgt ein kleiner Auszug aus einem Interview des deutschen Fernsehens mit Michael Jeannée, seines Zeichens Boulevardbeauftragter der Krone:

"Diese Ungeheuerlichkeit zu thematisieren, auf der Bühne zu thematisieren, noch dazu von einem Selbstdarsteller, wie der Herr Kramar es ist, halte ich nicht für legitim. Und deswegen sage ich noch einmal: Es interessiert mich nicht, was in diesem Stück steht. Es kann nur ein Dreck sein."

Er verhält sich also ganz genau so, wie man es von ihm erwarten würde, auf offizieller Krone-linie sozusagen. Was er allerdings verschweigt: Das Stück ist keine Komödie rund um die Familie Fritzl (so verlockend das auch klingen mag), sondern dreht sich um den Umgang der Medien mit der Sache. Es soll also beinharte Medienkritik sein. Und darauf ist die Krone sogar noch schlechter zu sprechen. Ihre Leser hat das auch gar nicht zu interessieren, warum also die ganze Wahrheit sagen?

"Der Zeit ihre Kunst und der Kunst ihre Freiheit - o.k. - Aber was hat das bitte mit Kunst zu tun? Was soll da Kunst sein?" - Reporter: "Das können Sie vielleicht schlecht beurteilen, weil Sie das Stück gar nicht kennen." - Michael Jeannée: "Mag sein, das Stück gibt es ja noch gar nicht, sagt er ja selber." - Reporter: "Aber warum schreiben Sie dann darüber und sagen, dass man es nicht aufführen dürfte?" Michael Jeannée: "Ich sage nicht, dass man es nicht aufführen darf. Ich sage nur, dass es ein Unding ist."

Das wird ja immer besser. Die inszenierte Aufregung trägt Früchte. Plakate werden heruntergerissen, Schlösser werden mit Superkleber zugeklebt, Morddrohungen werden ausgesprochen, alles im Namen der Pietät. Österreich wie es leibt und lebt.

Ich werde mich jetzt nicht aufs Glatteis begeben und irgendwelche Aussagen über den (künstlerischen) Wert des Stückes oder seine Daseinsberechtigung machen, nichtmal wenn es schon uraufgeführt wäre. Auch gewisse, vielleicht naheliegende, vielleicht gewünschte Parallelen mit Jelinek will ich nicht unnötig strapazieren. Aber Kramar hat absolut recht wenn er meint "Die Mediensatire, die wir vorhatten, die findet statt. Das heißt: Diese Art von Medien nehmen sich die Maske ab und stellen sich dar. Und werfen mir das vor, unterstellen mir das, was sie machen."

Fazit: Höchstunterhaltsamer Medienzirkus mit Aussicht auf baldige Fortsetzung. Vier von fünf möglichen Kronen.

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